Begegnung und Kulturaustausch im Kontext Kultureller Bildung

BEING AND DOING: Playing on different stages

Die Unterkunft in der Jugendgästeetage Frankfurt des BDP erwies sich nach 2018 wieder als gastfreundlicher Ort für das deutsch-französische Partnerprogramm. Die Gruppe war in bilateraler Mischung mit eigener Küche und Aufenthaltsraum sehr gut untergebracht. Mitten in Frankfurts schönem Stadtteil Bornheim gelegen, bot der Standort zeitlich unkompliziert Möglichkeiten für notwendige Einkäufe, kleine Shoppingausflüge oder Spaziergänge in den nahegelegenen Parks und am Main.

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Das Probenstudio war leider 45 Minuten entfernt von der Jugendetage, sodass wir den Rythmus entsprechend anpassen mussten.

Beispiel Tagesablauf

Datum Inhalte / Sujéts  
Montag, 16.09. Chapter“Creation of the performer“  
8.00-09.30 Frühstück  
10.00 – 10:45 Fahrt mit der U-bahn und Straßenbahn zu den Z-Studios  
11.00-13.30 Uhr Body-Work /  Ankommen  
14.30-17.30 Solo Performer Introduction  
18.30-19.30 Abendessen  
20.00 – 19.00  Projektbesprechung und Austausch  

Wir fingen später an und ermöglichten einen individuell gesttaltbaren Morgen, der auch eigene Zeitrythmen berücksichtigen konnte.

Die Entscheidung, das Frühstück und den Mittag mit unserer Unterstützung von der Gruppe autonom organisieren zu lassen, hat sich rückblickend atmosphärisch sehr bewährt. Diese alltägliche „Lebensgestaltung“ schaffte gemeinsame Situationen, die kommunikativ und sozial positiv für die Gruppendynamik wirksam waren. Die Gruppe kümmerte sich um Einkauf, es wurde gekocht und zusammen aufgeräumt.

Eine Entlastung war die Möglichkeit, am Abend nach der Probe mit der Gruppe die Angebote der umliegenden Lokalitäten zu nutzen. Natürlich war ein Besuch einer Frankfurter Apfelweinkneipe und Restaurent unumgänglich.

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Im Vordergrund des Projekts steht der Gedanke der Kulturellen Bildung. Dem Team war dieser Aspekt für die Durchführung und Gestaltung des Projekts ein zentrales Anliegen. Das Konzept berücksichtigte bei der Planung insbesondere, dass neben der ästhetischen Arbeit ausreichend Zeiträume für Sprachbegegnung, Gruppenaktivitäten sowie individuelle Freizeit eingeplant waren.

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Eine zentrale Erkenntnis unserer gemeinsamen Arbeit ist die Wichtigkeit von Zeit und Raum für offnen Austausch, um in dieser intensiven Gruppenarbeit auch individuellen Bedürfnissen der einzelnen Teilnehmenden gerecht zu werden. Insbesondere bei einer sehr intensiven Performancearbeit ist es innerhalb der Gruppe essentiell „privaten Raum“ zu reservieren für eine angemessene Balance zwischen gemeinsamen Vorhaben sowie persönlichen Notwendigkeiten und Wünschen. Wir achten daher vielmehr auf  Zeiträume außerhalb fokussierter Aktivitäten, für ungeplante spontane Begegnungen aller Beteiligten. Gerade in solchen offnen Momenten werden in ungezwungenen Konstellationen Informationen ausgetauscht, findet das persönliche Kennenlernen statt.

Begegnung mit der Gruppe und der Umgebung

Die tägliche gemeinsame Performance Arbeit, spielerische Aktivitäten und das Zusammenleben als Gemeinschaft auf Zeit ließ die Gruppe sehr schnell miteinander in persönlichen sowie kreativen Kontakt kommen, sodass u.a. mononationale oder linguale Gruppenbildungen gar nicht erst aufkamen. Besonderst in den informellen Zeiten der Begegnung während der Pausen und auch in spontanen gemeinsamen Unternehmungen am Abend, zeigte sich kommunikative Offenheit und Lust voneinander etwas zu erfahren.

Die TN bauten ihre Strategien der Kommunikation, nonverbal oder verbal, immer weiter aus und gingen bei Kommunikationsschwierigkeiten sehr geduldig und humorvoll miteinander um. Dies machte deutlich, dass im Vorfeld einer deutsch- französischen Begegnung Sprachkenntnisse nicht zwingend notwendig sind und nonverbale Kommunikation ein großer Bestandteil der Verständigung ausmacht.

Sprachbegegnung ist in performativen Zugängen ein natürlicher Bestandteil der Arbeit, es geht um Kontakts und Kommunikation: physisch, sprachlich (im Sinne einer Versprachlichung und einer „VerLautbarung“) sowie auf eine spielerische Art und Weise.

Als sehr inspirierend wurde der Besuch eines aktuellen Performance Projekts im nahen Moussonturm empfunden. Wir hatten Premierenkarten bekommen können und waren sehr froh darüber. Die Performance hatte nicht nur eine Nähe zu unserer eigenen Arbeit, sondern spielte auch mit Fragen menschlicher Natur. Und: es wurde französisch, deutsch und englisch gesprochen! Das folgende Video der Premiere zeigt unsere Gruppe im Kontext der Performance.

Nuno Ramos

(São Paulo)

Über die menschliche Natur (to whom it may concern 1)

Weitere Highlights der gemeinsamen Zeit waren u.a. der Ausflug zum grünen See bei Offenbach und der Marché de Nuit, wo wir mit einer ersten Performance Teil des Programms waren.

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Unser Ziel war es, einerseits durch die Theater- und Spracherfahrungen, aber auch anhand der Freizeitgestaltung eine möglichst interessante und bunte Vielfalt an Eindrücken in das kulturelle Leben in Hessen zu erlauben. Gleichzeitig waren die Teilnehmenden aber auch manchmal froh über offene Zeiten für individuelle Planung oder einfach für etwas Rückzug, um Eindrücke ausreichend verarbeiten zu können.

Das Projekt verlief aus Sicht der Projektverantwortlichen sehr positiv. Jürgen Genuit, unser französischer Partner konnte 2018 leider nicht zum Projekt nach Frankfurt dazustoßen. Die Stimmung während der gesamten Zeit war geprägt von Respekt, Neugierde und Offenheit für gegenüber den Beteiligten in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Dies zeigte sich in der Freizeit in gleicher Weise wie in der ästhetischen Begegnung. Es wurde vielmehr wieder deutlich, wie sehr ein ästhetischer Raum als Ort der besonderen Begegnung des Individuums mit sich und der Welt, positiv auf die Gemeinschaft insgesamt wirken kann. Dies ist allerdings kein Selbstläufer: Die Basis für das gemeinsame Tun und Sein ist eine Idee, als Verhandlungsbasis für die grundlegende Frage Kultureller BILDUNG:

Wie wollen wir leben?

Über die Idee hinaus als Motiv für die temporäre gemeinsame Gestaltung nach bestimmten Wertvorstellungen ist eine entsprechend konsequente Methodik essentiell, denn eine ästhetische Gestaltung bietet nur einen bestimmten Rahmen mit inhaltlichen Zielvorgaben und sagt an sich nur wenig über über die Art und Weise der konkreten Umsetzung aus.

Die Prinzipien Kultureller Bildung wie Respekt, Selbstverantwortung, Heterogenität, Beteiligung und Einbeziehung individueller Fertigkeiten waren für uns maßgeblich als innere Leitschnur und Gradmesser für das deutsch-französische Kultur-Partnerprojekt. Diese Ansprüche mussten sich immer wieder neu beweisen innerhalb einer bilateralen in jeder Hinsicht heterogenen Gruppe von Individuen anhand konkreter alltäglicher Verhandlungsprozesse .

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